Wie man ein Konzept für eine Hochzeit entwickelt

Tischdeko für eine Winterhochzeit

Rosa Väschen plus rosa Blume plus rosa Kerze macht Hochzeitskonzept? Pustekuchen. So einfach ist die Sache eben nicht – zumindest dann, wenn nicht nur die Deko am Ende auch nach was aussehen, sondern der gesamte Hochzeitstag wie aus einem Guss erscheinen soll. Das fängt bei der Papeterie an, zieht sich über den Stil des Brautkleids, die Tischdeko und den Sitzplan bis zur Candybar. Wie ihr so einen süßen Tisch übrigens planen könnt, das hatte ich euch ja neulich hier gezeigt. Heute aber geht’s um die Frage, wie man ein gesamtes Konzept für eine Hochzeit entwickelt. Und wer könnte das besser wissen als eine Hochzeitsplanerin? Also haben die liebe Sonja Neubert von Trauwerk und ich mal wieder die Köpfe zusammengesteckt und einige Tipps für euch zusammengetragen. Erklären wollen wir die Sache mit dem Konzept am Beispiel einer Winterhochzeit, die Sonja geplant hat. Das märchenhafte, winterliche Motto lautete „Das goldene Tau“…

Anhand der Deko-Bilder könnt ihr erkennen, was mit einem Gesamtkonzept gemeint ist: Es gibt verbindende Elemente, die sich durch alle Bereiche der Hochzeit ziehen, durch Papeterie, Tischdeko, Gästebuch und sweet table. In diesem Fall sind es die Motive Tau und Film.

Wozu eigentlich ein Konzept für eine Hochzeit?

Grundsätzlich ist die Frage, ob man unbedingt so ein Hochzeitskonzept braucht. „Nein, natürlich nicht!“, sagt Sonja ganz offen. „Man kann sich auch einfach an einer Farbe orientieren und zum Beispiel Blau zum Konzept erklären.“ Wozu also dann der ganze Aufwand? „Ich erkläre das immer so“, fügt Sonja hinzu: „Eine einheitliche Farbe macht eine Hochzeit schön. Ein ganzheitliches Konzept macht sie persönlich und besonders.“

Nur, wie wird aus dem Wunsch nach einem individuellen Motiv ein komplettes Konzept? Wir versuchen das mal in sieben handlichen Schritten zu erklären:

Tipp 1: Findet Gemeinsamkeiten

Um im Beispiel zu bleiben: Bei der Tau-Hochzeit verband das Paar die Liebe zu Film und Fiction-Serien einerseits und zum Segeln andererseits. Fragt euch also, was eure Gemeinsamkeiten sind, und findet ein Symbol, das für eure Liebe steht. Das mag manchem leicht scheinen, andere Paare tun sich da schwerer. In diesem Fall symbolisierte das Tau das Segeln, die Papeterie griff in verschiedenen Varianten das Thema Film auf: Die Einladungskarte war gestaltet wie eine überdimensionale Kinokarte, Namenskärtchen sahen aus wie Eintrittskärtchen, die Tische wurden nach den Titeln bekannter Filme benannt und die Tischdeko, Candybar und sogar das Gästebuch vereinten beide Ideen.

Beispiel 1: Die Platzkärtchen auf den Tischen. Durch die gesamte Papeterie zog sich das Signet des Segelknotens, der zwei gleichstarke Taue verbindet, sowie das Element des Regiesessels (neben den Insignien K&M).

Halter für Namenskärtchen aus Sisal-Tau

Tischdeko für eine Winterhochzeit

Tipp 2: Entscheidet euch für ein oder zwei Symbole

Das eine ist es, das verbindende Element einer Liebe zu definieren, das andere, daraus ein Konzept für eine Hochzeit zu entwickeln. Ich erkläre das mal an einem persönlichen Beispiel: Mein Mann und ich lieben mehrwöchige Trekkingtouren mit dem Fahrrad durch fremde Länder. Deswegen hätte ich jetzt aber trotzdem kein Fahrradsymbol auf meine Einladung drucken wollen. Blieben drei Alternativen: einerseits könnten wir versuchen, das Fahrradmotiv irgendwie anders zu gestalten, irgendwie romantischer. Irgendwie. Äh, ja… Zweitens könnten wir eine andere Gemeinsamkeit wählen und ein anderes Symbol. Und drittens könnten wir zwei Elemente finden, die uns zwar nicht direkt verbinden, die wir aber zu einem Thema verbinden könnten – mein Faible fürs Schreiben und die Kochkünste meines Mannes zum Beispiel. Wenn wir aber einfach keinen genialen Einfall haben sollten, wie wir das dann alles in ein Gesamtkonzept gießen können, dann würde ich im Bekanntenkreis nach jemandem suchen, der konzeptionell arbeiten kann – oder eben einen Hochzeitsplaner wie Sonja ins Boot holen.

Tipp 3: Entwickelt Ideen zu Stil und Farbe

Wenn das Motiv feststeht, überlegt, welchen Stil das Gesamtkonzept haben soll, also zum Beispiel Boho, Vintage, urban, rustikal. Im Beispiel des goldenen Taus waren es die 20er Jahre.

Die dritte Säule ist die Farbe. Sie muss einerseits zum Stil, zur Jahreszeit und zu eurem Hauptmotiv passen. Achtet zum Beispiel darauf, dass es  in dem Monat, in dem ihr heiraten wollt, auch passende Blumen gibt.

Beispiel 2, das Gesamtkonzept: Durchdacht bis ins Detail: Das klassische Ringkissen hat Sonja mal anders interpretiert. Das Tau ist das Element, das sich durch die gesamte Hochzeit zieht.

Trauringe aus Weißgold

Tipp 4: Auf dem Weg zum Gesamtkonzept – die Farbe

Ihr merkt, was ich damit meinte, als ich eingangs sagte, es sei nicht ganz so banal wie manche meinen mögen, ein Hochzeitskonzept zu entwickeln? Aber auch wenn ihr es nicht so perfekt hin bekommt wie ein professioneller Dienstleister: Mit einfachen Mitteln könnt dafür sorgen, dass euer Konzept einen „roten Faden“ erhält. Neben dem Motiv – wie hier Tau und Filmzitate – eignet sich die Farbe ideal. Hier waren es Pfirsich, Lila und Gold. Und so könnte das Basiskonzept dann aussehen: Brautschuhe und Schmuck in Gold-Tönen, ein Pfirsich-farbener Brautstrauß und ein passendes Anstecksträußchen für den Bräutigam, Bänder in Pfirsich und Lila um Vasen und Kerzenleuchter gewickelt, Blumenschmuck in allen drei Farben gestaltet – fertig ist ein einfaches Gesamtkonzept.

Beispiel 3, Tischplan, Bezeichnung der Tische und Candybar: Beim goldenen Tau war Gold die Leitfarbe. Dazu kombinierte Sonja das Tau als Symbol fürs Segeln und Filmzitate, Filmtitel und Requisiten als Zeichen für die Kino-Leidenschaft des Paares. Diese wiederum setzte sie in einer Schrift, die an die 20er Jahre erinnert – die „golden twenties“ eben.

Sitzplan für eine Winterhochzeit

Tischdeko für eine Winterhochzeit

Beispiel 4, die Candybar: Wenn aus Schokotalern ein Goldschatz wird – erneut kombiniert sind die Motive 20er Jahre, Gold und Film (diesmal mit Filmtiteln)

Tischdeko für eine Winterhochzeit

Tipp 5: Nutzt Pinterest und Instagram

Im Netz findet ihr eine schier unüberschaubare Menge an Bildern von Dekodetails, Tortenkunstwerken und Papeterie-Varianten. Stellt euch selbst ein sogenanntes moodboard zusammen, also im Fall von Pinterest eine Pinnwand voller Fotos mit Details, die zu eurem gewählten Stil und eurer Farbe passen. Das hilft, sich einen Überblick zu verschaffen und Ideen für ein eigenes Konzept zu entwickeln.

Tipp 6: Unterschätzt nicht den Zeitaufwand

So ein Hochzeitskonzept zu entwickeln braucht Zeit. Denn sobald die Ideen gefunden sind und das Konzept in der Theorie fertig ist, beginnt der praktische Teil der Arbeit. Dekoelemente müssen gesucht und besorgt werden, Dienstleister von Papeterie über Blumen bis Torte gebrieft und das Konzept am Hochzeitstag umgesetzt werden. Sonja kennt die Fallstricke aus eigener Erfahrung: „Bei der Tau-Hochzeit hat das Paar zum Beispiel selbst die Knoten für die Platzkärtchen gewickelt. Parallel dazu habe ich ein Original-Schiffstau bei ebay gekauft, es zurechtgesägt und zerfusselt und die Goldfarbe aufgetragen. Wichtig ist, dass man jeden Schritt erst ausprobiert. Das Tau konnte ich zum Beispiel nicht einfach mit Farbe ansprühen oder anpinseln, weil das Material das nasse Gold einfach aufsaugt. Ich habe dann letztlich einen Bastelkleber mit Goldglitter verwendet.“ Solche Aktionen nennt man wohl die berühmte Liebe zum Detail. In ihrer Summe ergeben sie ein überwältigendes Ganzes – aber das braucht eben Zeit.

Beispiel 5, die Tischdeko: Echte Schiffstaue und Sisalschnüre als Deko für Windlichter und Vasen greifen das Segeltau-Motiv auf. Das Element Film spiegelt sich in der Papeterie wieder, die Farbe Gold ist in Details zu sehen.

Tischdeko für eine Winterhochzeit

Tischdeko für eine Winterhochzeit

Tischdeko für eine Winterhochzeit

Tipp 7: Kommuniziert euer Konzept an eure Gäste

Ein Gesamtkonzept gibt eurer Hochzeit nicht nur eine persönliche Note, es hat darüber hinaus noch einen weiteren, ausgesprochen praktischen Aspekt: Es hilft euren Gästen. Wie? Eltern und Familie zum Beispiel bei der Frage, was man denn bloß in einer Rede erwähnen könnte. Gästen, die etwas Persönliches schenken möchten, können sowohl mit einem Geldgeschenk als auch mit etwas ganz praktischem Bezug nehmen. Also: Macht schon in der Einladung klar, wie das Konzept sein wird – im Tau-Beispiel war es eine überdimensionale Kinokarte im Stil der „goldenen 20er Jahre“. Und keine Sorge: Wenn das Konzept gut durchdacht ist, spiegelt es euch als Paar wieder – eure Gäste werden unmittelbar verstehen, warum die Einladung genau so und nicht anders gestaltet ist.

Beispiel 6, die Hochzeitspapeterie: Von der Einladung bis zum Menü – 2oer Jahre-Schriftart, Gestaltung nach dem Motto Kino und Film.

Hochzeitspapeterie im Stil von Film und Kino

Tischdeko für eine Winterhochzeit

Beispiel 7, das Gästebuch: Eine Schreibmaschine als ausgefallene Beschäftigung für die Gäste. Auch auf diesem Tisch seht ihr noch einmal wie Sonja die einzelnen Elemente des Gesamtkonzepts zusammengefügt hat. Gold und 20er Jahre (Bilderrahmen, alte Bücher, Kerzenhalter), Tau (Kordel als Deko), Filme (Regieklappe, Schreibmaschine). Mit der Anleitung im goldenen Rahmen rief das Paar die Gäste auf, ihnen einen Hochzeitsgruß in Form von Filmszenen und Regieanweisungen aufzuschreiben.

Tischdeko für eine Winterhochzeit

So, jetzt habt ihr viel gelesen und gesehen – und ich hoffe, wir konnten euch einen kleinen Eindruck vermitteln, wie ihr so ein Gesamtkonzept erarbeiten könnt. Wenn ihr Fragen habt, freuen wir uns über eure Kommentare!

 

Konzept, Hochzeitsplanung und Dekoration: Trauwerk, München
Fotografie: Hans Neubert, München
Papeterie: studio frau, München
Location: Gut Sonnenhausen, Glonn
Floristik: Das blühende Atelier, Grünwald

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